Sirenen

Die Komposition richtet den Fokus auf Odysseus, der sich von seiner Mannschaft an den Mast seines Schiffes hat fesseln lassen, und von den bezirzenden, jedoch potentiell tödlichen Klängen der Sirenen hypnotisiert wird.
Dabei versuchte ich besonders die Veränderungen im Bewusstseinszustand des Helden in den Mittelpunkt zu rücken. Die Spannweite reicht von Teilnahmslosigkeit über manische Faszination bis zum Verlust der eigenen Persönlichkeit. Odysseus versucht sich den Fängen der Sirenen zu entreißen und durchlebt deshalb Todesqualen. Das Bewusstsein von Odysseus ist der Verknüpfungspunkt zwischen Saxophon, Tanz und Elektronik.

Am Ende des Werkes bleibt ein gebrochener Held zurück, der die Anziehungskraft der Sirenen stark unterschätzt hat und dafür unerträgliche Leiden durchstehen musste
Dirk Mattes

Die Sirenen versuchen Odysseus durch ihren betörenden Gesang in ihren Bann zu ziehen. Seinen Kameraden befiehlt er sich die Ohren mit Wachs zu verschließen und ihn selbst an den Bug des Schiffes zu fesseln. Für ihn allein ist der Gesang nun hörbar und er gerät in einen Zustand innerer Zerrissenheit, der ihn fast um seinen Verstand bringt.
Nicht nur körperlich ist er gefesselt, sondern auch seine Gedanken sind für ihn nicht mehr kontrollierbar. Diese dabei erlittenen Höllenqualen lassen ihn auch nach geglückter Überfahrt nicht los und werden zu einer der schmerzhaftesten Erinnerungen an seine Reise.
In meiner künstlerischen Umsetzung habe ich mich mit dieser Zerrissenheit Odysseus auseinandergesetzt und die körperlichen Schmerzen in den Fokus meiner Choreographie gerückt.
Kirstin Albrecht