Lotophagen

In meiner Komposition wird Odysseus‘ Irrfahrt zu den Lotophagen beschrieben. Einige der Seefahrer kosten bei den Lotophagen oder Lotosessern von der Lotosfrucht, die sie ihre Heimat und Vergangenheit vergessen lässt und in andere Bewusstseinszustände führt.
Die Musik erfährt dieselbe Wandlung wie die Seefahrer: Aus einem anfangs ruhigen, geerdeten Zustand gerät sie in stürmisch-ekstatische Zustände, ehe sie sich scheinbar wieder beruhigt und in einem surrealen Rausch endet. Es stehen sich also mehrere Wahrnehmungen gegenüber.
Zum anderen wird der Gegensatz Land-Meer musikalisch verdeutlicht. Von starren, festen Strukturen entwickelt sich das Stück zu einem aufgewühlten, bewegten Satz und flaut wieder ab. Es werden also sowohl Odysseus‘ Aufbruch in die See, als auch die durchlebten Bewusstseinszustände der Seefahrer beschrieben.
Katrin Klose

Bei unserer künstlerische Umsetzung der vorliegenden Szene aus der Odysseus arbeiteten wir mit Assoziationen zu den Begriffen „Meer“ und „Land“.
Das Meer – ein Gefühl unendlicher Einsamkeit in einer endlosen Weite.
Im Kontrast dazu steht das Land, das, durch festen Boden unter den Füßen, eine gewisse Sicherheit verspricht.
Im Mittelpunkt des Stücks „Die Irrfahrten des Odysseus“ stehen die ständigen Ortswechsel, die sich stets zwischen „Sicherheit“ und „Aussichtslosigkeit“ bewegen. In der griechischen Mythologie passieren sie auf ihrer Reise das Land der Lotophagen, der „Lotusfruchtesser“, deren süße Lotusfrucht sie kosten und durch die sie all ihrer Erinnerungen beraubt werden.
Diese Thematiken werden in der Inszenierung aufgegriffen. Besonders zu Beginn treten Land- und Meermotive auf, die letztlich in ständiger Verunsicherung enden. Die Tänzerinnen „verfallen“ ebenfalls der süßen Frucht, von der sie - anfangs berauscht - in einen Zustand des Vergessens geraten. Zuletzt verlieren sie ihre Identität und ihre Handlungen enden in gänzlicher Bedeutungslosigkeit.
Sonja Schüllner, Erika Weidner